„Wieder mitbekommen, was andere mir erzählen“

Ein Gespräch mit Eduard Prinz von Anhalt (Kunde der HörPartner in Berlin-Mitte) über Erinnerungen an die Kindheit, die Bedeutung der eigenen Herkunft und das gute Hören mit Technik

Er ist Journalist, Fernsehmoderator und Buchautor; und er ist das Familienoberhaupt der Askanier, jenes altsächsischen Hochadelsgeschlechts, das seit dem 11. Jahrhundert nachweisbar ist, und dem z. B. Albrecht der Bär und Katharina die Große entstammen: Bekannt ist Eduard Prinz von Anhalt (82) vor allem als „Adelsexperte“ aus dem Fernsehen. Früh geprägt haben ihn schmerzvolle Kindheitserfahrungen, über die er in einem autobiografischen Buch berichtet. Und gutes Hören mit modernen Hörgeräten ist für den „Medienmenschen“ Prinz von Anhalt mittlerweile sehr wichtig. Wir trafen ihn bei seinem Hörakustiker, dem Fachgeschäft der HörPartner in Berlin-Mitte.

Mein Herr, ich muss gestehen, dass ich noch nie einen Prinzen interviewt habe. Wie soll ich Sie überhaupt ansprechen?

Prinz von Anhalt: Tatsächlich heiße ich Prinz von Anhalt. Die Weimarer Republik hat aus früheren Titeln Teile eines bürgerlichen Namens gemacht. Das ist ziemlich absurd, denn Anhalt ist ja ein Ländername, während mein Familienname eigentlich Herr Askanien wäre. Es lässt sich jedoch nicht mehr rückgängig machen. Noch wirkungsvoller als Prinz von Anhalt klingt für die Medien allerdings Prinz Eduard.

Und Sie sind tatsächlich Prinz und haben Ihren Namen nicht mit einer Adoption erworben?

Prinz von Anhalt: Mittlerweile gibt es leider weltweit ca. 60 adoptierte Prinzen und Prinzessinnen von Anhalt. Diese werden von mir – dem Chef des Hauses Anhalt-Askanien - nicht als Mitglieder der Familie anerkannt. Die einzigen echten sind die geborenen Namensträger, die von meinem Vater Herzog Joachim Ernst, dem letzten Regenten des Herzogtums Anhalt, in direkter Linie abstammen Es begann damals mit Frederic, der eigentlich Hans-Robert Lichtenberg heißt und später seinerseits adoptierte und den Prinzentitel verkaufte. Ich habe gegen ihn  prozessiert, leider erfolglos.

Nur „Prinz“, ohne ein „Herr“ davor?

Prinz von Anhalt: Ohne „Herr“. Man ist entweder Herr oder Prinz.

Lassen Sie uns lieber über Sie sprechen: Sie sind der jüngste Sohn des letzten Herzogs von Anhalt, wurden 1941 auf Schloss Ballenstedt im Harz geboren und haben schon sehr früh schmerzvolle Erfahrungen sammeln müssen?

Prinz von Anhalt: Mein Vater war Gegner der Nazis. Er wurde wiederholt denunziert, unterstand der Zwangsarbeit und wurde auf unsere Sommerresidenz in den Harz verbannt. Dann war der Krieg vorbei; erst kamen die Amerikaner, dann die Sowjets. Ich liebte meinen Vater heiß und innig. Ich erinnere mich noch, wie ich auf dem zwei Meter großen Mann herumsteigen durfte. Er war unheimlich liebevoll. Und dann war er plötzlich weg. Der sowjetische Geheimdienst NKWD holte ihn ab und sperrte ihn in das Speziallager Buchenwald, das ursprünglich von den Nazis als KZ errichtet worden war. Dort ist er 1947 umgekommen, nachdem er 1944 das KZ Dachau überlebt hatte.

Ein Wunder der Geschichte ist, dass ausgerechnet russische Offiziere meiner Mutter, meinen vier Geschwistern und mir das Leben gerettet haben. Sie hatten sich mit meinem Vater angefreundet und als sie hörten, dass jetzt seine Familie auch abgeholt und nach Sibirien verschleppt werden soll, handelten sie aus Freundschaft ihm gegenüber. Also haben sie uns in der Nacht der Oktober-Revolution 1945, die ja eigentlich im November ist, Richtung Westen eskortiert und beschützt. Ich weiß noch, dass wir auf der Ladefläche eines offenen Kohlewagens saßen und es war bitterkalt. Neben uns standen Kisten mit Wodka. Den brauchten die Offiziere, um uns an jeder Straßensperre die Weiterfahrt bei ihren Armeegenossen zu erkaufen. Sie halfen uns auch, weil sie wussten, dass mein Vater unschuldig war, und auch, weil wir Nachfahren von Katharina der Großen sind. Sie war ja eine geborene von Anhalt, die auch Stalin bewunderte und die in Russland bis heute großes Ansehen genießt. Als wir damals aus Ballenstedt flohen, war ich knapp vier Jahre alt.

Das Buch, in dem Sie die Geschichte Ihrer Familie im 20. Jahrhundert erzählen, heißt „Das verfluchte Jahrhundert. Eine Dynastie am Abgrund“. Könnten Sie den Titel mit wenigen Worten erklären?

Prinz von Anhalt: Zum einen spielt der auf ein Jahrhundert an, eine Zeit, die von Massenmördern geprägt war, mehr als je zuvor in der Weltgeschichte. Und der Titel zielt vor allem auf den Verlust der 1000jährigen Heimat. Als Jüngster der Familie bekam ich mit, wie tief der Schmerz darüber in meiner Mutter und meinen Geschwistern saß. Damals hörte ich immer nur die bangen Fragen. Wie geht es Vater? Was wäre mit uns, wenn uns der NKWD damals alle nach Sibirien verschleppt hätte? Was hat man mit unseren russischen Freunden gemacht, die uns gerettet haben? Deprimierende Fragen ohne Ende…

Damals kamen wir in ein Kloster in der Lüneburger Heide. Durch ein Wunder wurden wir wieder reich und zogen schließlich in die Bayerischen Berge nach Garmisch-Partenkirchen. Der zweite Teil meines Buches dreht sich um meine eigene bewegte Biographie bis zur Wiedervereinigung. Mit dem Buch habe ich die Lücke der Geschichtsschreibung zu den Askaniern im 20. Jahrhundert geschlossen, allerdings ohne geschichtswissenschaftlichen Anspruch. Das überlasse ich gerne studierten Historikern.

Heute bin ich sehr froh, dass ich drei starke Töchter habe und unsere Familie mit ihnen fortbestehen wird. Alle drei sind sehr erfolgreich – und das nicht wegen ihres Namens. Sie haben sich das hart erarbeitet. Meine Nachfolge habe ich in meiner Familie festgeschrieben – sie erfolgt unabhängig vom Geschlecht der oder des erstgeborenen Kindes.

Wann haben Sie begonnen, sich mit der Geschichte Ihrer Familie zu befassen?

Prinz von Anhalt: Bis zur Wiedervereinigung hatte ich überhaupt keine Ahnung. Vieles habe ich erst nach der Wende erfahren, als ich dann wieder in die Heimat konnte und Menschen begegnete, die meinen Vater gekannt hatten, für ihn gearbeitet hatten, sogar mit ihm in Buchenwald einsaßen. Das Buch besteht vor allem aus Informationen, die ich von diesen Menschen gehört habe. Auch im Archiv des KGB in Moskau konnte ich Unterlagen zur Verhaftung meines Vaters durch den NKWD, Protokolle seiner Verhöre und Dokumente, die er in Buchenwald bei sich trug, erhalten.

Nach unserer Flucht wuchs ich, wie gesagt, in einem Kloster in der Lüneburger Heide und später in Garmisch-Partenkirchen auf. Ich verlebte dort eine wunderbare Jugend, hatte viele Freunde. Dennoch blieb es für mich ein Leben im Exil. Hinzu kam, dass unsere Familie früh auseinander ging. Meine älteren Geschwister verließen uns. Auch ich kam ins Internat, zum Glück gemeinsam mit meinem Bruder Friedrich. Nach seinem Unfalltod besuchte ich Ende der 50er Jahre eine Schule im warmen Spanien. Hier traf ich Gleichaltrige, denen ich von meiner Vergangenheit erzählen konnte, weil sie als Kleinkinder ebenso wie die Erwachsenen unter dem Krieg gelitten hatten. Zuvor hatte niemanden interessiert, was wir Kinder erlebt hatten. Heute weiß man, dass selbst Embryos im Mutterleib unter einem schlechten Umfeld leiden.  Damals in Spanien kamen aus ganz Europa Mädchen und Jungen meiner Generation zusammen und konnten zum ersten Mal über ihre Kindheitstraumata im Krieg reden. Was für eine Erleichterung für uns alle!

Sie haben später auch die Sagen der Askanier herausgegeben?

Prinz von Anhalt: Zuvor war ich viele Jahre auf Reisen, hatte in England und Amerika gelebt. Dann begann ich darüber nachzudenken eine Familie zu gründen und Kinder zu haben. Andernfalls würde die echte Familie der Askanier aussterben. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass meine Kinder praktisch „im Exil“ aufwachsen würden. Sie hätten keine Ahnung von ihrer Familie… - Also begann ich zu recherchieren. Und um die Familiengeschichte für meine Kinder lesbar zu machen, kam ich auf die Idee, die wichtigsten Dinge in einem leicht lesbaren Sagenbuch zu gestalten.

Der Familienname Askanien zum Beispiel ist abgeleitet von Aschersleben; einer früher wichtigen Grafschaft am Harz. Da lebte ein Vorfahre namens Ascar, was so viel wie der „Eschespeer“ bedeutet, also ein Mann wie ein Speer aus Eschenholz. - Ich liebe es, wie sich solche Namen entwickelt haben. Aus Askarsleben wurde dann die Grafschaft Aschersleben und daraus wiederum latinisiert „Askanien.“ Mein Geburtsort Ballenstedt, der „erst“ vor 950 Jahren erstmals erwähnt wurde, hieß eigentlich Balkenstedt – also ein Ort, gebaut aus Balken, praktisch ein Fort aus Holz. Daraus wurde dann ein Kloster, auf dem der damalige Vorfahre sich auf einer nahegelegenen Höhe im Harz eine neue Burg bauen ließ, diesmal allerdings „ohne Holz“. Anhalt heißt nichts anderes als „Ohne Holz“, gab aber immerhin einer Grafschaft, einem Fürsten- und einem Herzogtum den Namen und gehört heute hinter dem Bindestrich zu Sachsen-Anhalt.

Als ich damals im Westen recherchierte, gab es nur wenige Bücher. Dann konnte ich drei dicke Bände über askanische und anhaltinische Geschichte ersteigern. Aus denen habe ich Sagen herausgefiltert. Sagen sind lesbarer als breite historische Abhandlungen. Publiziert habe ich sie auch, um meinen Kindern zu vermitteln, wo sie herkommen. Das, was für mich Heimat war, lag auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs. Ich bin häufiger an die Grenze gereist und habe nach drüben geschaut.

Waren Sie vor der Wiedervereinigung nie in der DDR?

Prinz von Anhalt: Ich habe es immer wieder versucht, ohne Erfolg. Ich habe Anträge für ein Visum gestellt und dann nachgefragt, weil es nie kam. Sie brauchten ein neues Passbild, das alte wäre zu alt. So eine Antwort kam jedes Mal lakonisch zurück. Sie haben nie gesagt, dass ich nicht einreisen darf. Nach dem Mauerfall hat mich überraschend der Pfarrer von Ballenstedt eingeladen. Als ich kam, waren da ungefähr 2.000 Leute. Die einen wollten, dass der Prinz wiederkommt, die anderen waren dagegen. Es hieß: „Jetzt kommt er und will alles zurückhaben, zu DDR-Zeiten hat er sich nie blicken lassen.“ Ich konnte nur entgegnen, dass ich gerne gekommen wäre.

Mitte bis Ende der 80er hatten Sie Ihre eigene TV-Sendung. Wie kamen Sie zum Fernsehen?

Prinz von Anhalt: Da gibt es eine längere Vorgeschichte. Ich bin unter eher bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen, doch mit 14 bekam ich plötzlich viel Geld. Wir hatten einen cleveren Anwalt, der eines Tages mit einem Koffer voller Aktien erschien. Ich bekam mehr als eine Millon D-Mark. Nur dass mir kein Mensch beigebracht hatte, wie man mit so viel Geld umgeht… Ich war etliche Male verlobt, ging später nach England und lernte in Los Angeles Public Relations. Zurück in Deutschland fand ich nach mehreren Stationen zum WDR, wo ich im „WWF Club“ so eine Art „Adelsecke“ moderierte.

Schließlich holte mich Dr. Helmut Thoma zu RTL. Dort bekam ich die Sendung „Adel verpflichtet“, eine Serie, die Einblick ins Leben des Hochadels in Europa und der ganzen Welt bot. Insgesamt konnte ich etwa 70 Familien vorstellen. Die skandinavischen Königsfamilien machten mit und Gott sei Dank auch mein Cousin Prinz Charles, der mir dadurch sehr geholfen hat. Nachdem ich ihn in der Sendung hatte, kamen auch viele andere gern.

Den englischen König sollen Sie schon aus Ihrer Kindheit kennen? 1947 waren Sie erstmals zu Besuch im Buckingham Palace?

Prinz von Anhalt: Da war ich sechs Jahre alt. Meine Großtante hatte uns eingeladen. Wir waren mit meiner Tante dort, und wir trafen die Familie. Aber wer das alles genau war… Prinz Charles bin ich später häufiger bei Polotournieren begegnet. Er war ja ein großer Polospieler. Wir waren im selben Club und er hat mich immer als seinen Cousin vorgestellt. Nach der Wende habe ich ihn gebeten, die Schirmherrschaft für den Wörlitzer Park zu übernehmen, der ja der Park meiner Vorfahren ist. Ob Charles als König weiter Schirmherr bleiben kann, weiß ich allerdings nicht.

Über Charles habe ich auch seinen Vater Prinz Philip kennengelernt. Ein toller Mann, mit dem ich mich sehr gut verstand. Mit ihm konnte man sich abends hinsetzen und ein Glas Rosé trinken oder auch zwei. Wir haben uns viel erzählt und ich vermisse ihn sehr.

Sind Sie nach der Wiedervereinigung an Ihren früheren Familiensitz zurückgekehrt?

Prinz von Anhalt: Anfangs ging ich davon aus, dass es so sein würde. Ich habe die Arbeit bei RTL mehr oder weniger gekündigt, denn ich nahm an, dass wir unsere Güter zurückbekommen und jede Menge Management-Aufgaben auf mich zukommen. Doch dann kam es ganz anders. Laut Herrn Kohl machten es die Russen zur Bedingung für die Wiedervereinigung, dass alle Enteignungen vor 1949 bestehen bleiben. Doch Herr Gorbatschow, den ich zu einem längeren Gespräch in seiner Stiftung in Moskau traf, erzählte mir etwas anderes: Es sei nie Bedingung für die Wiedervereinigung gewesen. Auch die russische Generalstaatsanwaltschaft hat meinen Vater als Verfolgten des Nazi-Regimes sowie als Verfolgten des Stalinismus anerkannt.

Sie bekamen nichts zurück, sind Ihrer Heimat aber dennoch verbunden, engagieren sich etwa als Schirmherr für das SOS-Kinderdorf Sachsen-Anhalt und für die Wiederbelebung ihres Hausordens „Albrecht der Bär“, um Geschichte und Traditionen in Anhalt wieder aufleben zu lassen. Durch den Wörlitzer Park sollen Sie gelegentlich inkognito mit Prinz Charles spaziert sein?

Prinz von Anhalt: Ja, das war sehr komisch. Er hatte seine Mütze auf und die Bodyguards folgten uns in einiger Entfernung. Den Leuten, denen wir begegnet sind, ist überhaupt nichts aufgefallen.

Charles selbst ist begeistert vom Wörlitzer Park – einem englischen Garten mitten in Deutschland und damit die beste Werbung für England. Obendrein gibt es dort das Wörlitzer Landhaus, sozusagen das Original des Weißen Hauses in Washington. Eigentlich sollte Wörlitz voll von amerikanischen Touristen sein.

Als „Adelsexperte“ moderieren Sie für RTL die Live-Übertragungen wichtiger Ereignisse wie die Beerdigung von Queen Elisabeth II. oder die Krönung von Charles III. Wie erklären Sie sich das große Interesse, das nach wie vor an royalen Themen und am Adel besteht?

Prinz von Anhalt: Man sah jetzt aktuell bei der Inthronisation des neuen dänischen Königs Fredrick X., wie ein modernes Land voll hinter seiner Monarchie steht, zu über 80 Prozent. Wir leben in einer ziemlich harten und grauen Welt, die Monarchie hingegen bringt Geschichtsbewusstsein, Farbe, Tradition und Vaterlandsliebe ins Land. In Dänemark ebenso wie bei Veranstaltungen in England sieht man hunderte wunderbar gekleidete Soldaten und eine unübersehbare Menschenmenge, die König oder Königin begrüßt. Trotz aller politischer Probleme gibt die parlamentarische Monarchie einen Zusammenhalt.

Charles hat ja erklärt: Wenn die Mehrheit der Engländer gegen die Monarchie ist, ist es das Ende der Monarchie. Aber noch ist es nicht so weit. Die Mehrheit meint weiterhin, dass es so das Beste für England ist; meiner Meinung nach sagen sie es zu Recht.

Einerseits die Pflichten für das eigene Land, andererseits der Medienrummel; man muss Tag für Tag diese Rolle spielen … - Das Leben der Royals muss extrem anstrengend sein?

Prinz von Anhalt: Ja, das ist hart. Ich möchte das nicht machen müssen. Da muss man richtig reinwachsen. Doch für die Landsleute, die ihrer Königin oder ihrem König zujubeln, für sie ist die bunte Monarchie auch dazu da, um mal hin und wieder vom harten Alltag abzuschalten, sich mit vielen anderen Menschen zusammenzufinden. Anschließend geht man in den Pub und stößt auf den König an. Diese Erlebnisse halten zusammen und es geht viel friedlicher zu als etwa beim Fußball. Natürlich gibt es auch Engländer, die gegen die Monarchie sind. Andererseits kann jede Partei davon träumen, so viel Zustimmung zu erfahren, wie sie die Monarchie immer noch bekommt. Neun europäische Länder sind heute immer noch konstitutionelle Monarchien.

Lassen Sie uns noch über Ihre Hörgeräte sprechen. Wann haben Sie festgestellt, dass Ihr Gehör nachlässt?

Prinz von Anhalt: Am Anfang der Corona-Krise hatte ich einen Hörsturz auf dem rechten Ohr. Ein Bekannter meinte: „Du warst Jäger und das ist die Rache der Vögel.“ Beim Schießen mit der Flinte habe ich nie Ohrstöpsel getragen. Und vor anderthalb Jahren war ich in der Karibik tauchen. Da ist mir der Gehörschutz verrutscht, Wasser drang ins Ohr und es gab ein riesiges Loch im Trommelfell. Da war mir klar, dass ich jetzt wohl ein Hörgerät brauche.

Ich bin häufig auf Veranstaltungen, bei Abendessen oder Cocktails. Hier konnte ich mich mit einem Mal gar nicht mehr richtig unterhalten – vor allem nicht bei Nebengeräuschen. Ich stand vor der Wahl: Ziehe ich mich zurück und verzichte auf gesellschaftliche Dinge oder lasse ich mir helfen. So landete ich schließlich bei den HörPartnern. Ich bin sehr froh, dass ich hierhergekommen bin.

Sie fühlen sich hier gut aufgehoben?

Prinz von Anhalt: Ich werde sehr lieb betreut und finde es toll, wie die Akustiker hier mitdenken. Dadurch konnte ich mich immer besser an das Hören mit der Technik gewöhnen. Heute bin ich sehr glücklich, dass ich diesen Schritt gegangen bin.

Die ersten zwei Hörgeräte, die ich versucht habe, entsprachen nicht meinen Vorstellungen. Aber ich konnte in Ruhe probieren, bis ich die passende Lösung hatte. Seit gut einem Jahr trage ich jetzt Geräte. Die Technik wurde für mich eingestellt und weiter optimiert. Meine Otoplastiken wurden maßgefertigt. Ich habe verschiedene Gehörgänge, da muss das schon gut angepasst sein. Auch wenn es eine Frage gibt, habe ich hier sofort einen Ansprechpartner. - Sie müssen bedenken, dass ich nicht mehr der Jüngste bin. Was die Kinder heute alles mit einem Smartphone machen können, das kann ich leider nicht. Von den HörPartnern bekam ich eine gute Einführung. Doch wenn sich bei der App etwas ändert, dann komme ich schon lieber mal hier vorbei.

Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, dass die Hörtechnik gut angepasst wird?

Prinz von Anhalt: Das ist sehr wichtig. Es geht eben nicht alles sofort. Man muss es schon ausprobieren. Ich denke, das war früher bei vielen Hörgeräteträgern ein Problem: Sie bekamen die Technik angepasst und hatten das Gefühl, dass sie alles so hinnehmen müssen. Dann jammerten sie: „Mir ist das viel zu laut, deshalb trage ich das nicht…“ Meine Generation hat diese Scheu nicht mehr. Wir kommen immer wieder, bis alles ordentlich ist. Sicherlich wird man da nicht überall so freundlich empfangen wie hier.

Wie geht es Ihnen heute bei Gesprächen mit Nebengeräuschen?

Prinz von Anhalt: Das geht gut. Ich habe meine Hörgeräte mit dem iPhone gekoppelt und kann sie über eine App wunderbar steuern. Das nutze ich sehr oft, wenn es laut ist, denn die Nebengeräusche sind ja jedes Mal anders. Zieh ich das Handy vor, denken meine Gesprächspartner mitunter: „Das ist aber unfreundlich; will der jetzt telefonieren?!“ Wenn ich ihnen dann erkläre, dass ich das nur wegen meiner Ohren mache, und dass ich sie richtig gut verstehen möchte, finden sie es toll.

Ich glaube, es wird immer mehr Leute geben, die so etwas gerne nutzen. Man muss ohne Scheu zeigen, dass man die Hörgeräte nutzt und mit ihnen glücklich ist. Ich bin fasziniert von dieser Technik. Alles ist so mini und alles funktioniert, auch die Übertragung vom Handy. Für mich sind die Geräte mit das Beste, was die Technologie unserer Zeit hervorgebracht hat. - Die meiste Zeit des Tages sitze ich und schreibe. Als Ausgleich versuche ich, jeden Tag 10.000 Schritte zu gehen. Doch manchmal hatte ich beim Gehen so eine gewisse Unsicherheit. Seit ich die Hörgeräte habe, ist diese Unsicherheit verschwunden. Seitdem machen mir die 10.000 Schritte wieder mehr Spaß.

Nutzen Sie auch Soundstreaming vom Handy?

Prinz von Anhalt: Beim Telefonieren hatte ich das hin und wieder. Aber meist telefoniere ich doch so einfach wie möglich – also mit Handy am Ohr. Aber sehr praktisch finde ich den Akku. Ich habe ausschließlich Geräte mit Akku getestet. Und ich habe auch überall mein Ladecase dabei, damit ich sie jederzeit rausnehmen und später wieder einsetzen kann – etwa beim Duschen oder beim Mittagsschlaf. Danach sind sie gleich wieder aufgeladen. Damit hatte ich noch nie ein Problem.

Was würden Sie anderen raten, deren Gehör langsam nachlässt?

Prinz von Anhalt: Ich denke, da sollte jeder aktiv werden. Heute gibt es Hörgeräte mit vielen zusätzlichen Vorteilen und Komfort. Und auch die Hörgeräte, die die Krankenkasse voll bezahlt, sind an sich solide. Ich kann das nur empfehlen und sehe keinen Grund, warum man es aufschieben sollte.

Wenn man jemandem begegnet, der andere erzählt etwas, man selbst weiß jedoch gar nicht, was der von sich gibt, dann ist das eine vertane Chance. Je älter man wird, umso schwerer wiegt sowas. Für die Lebensqualität ist es wichtig, dass ich mitbekomme, was andere mir erzählen – insbesondere, wenn ich in eine neue Umgebung komme oder Menschen erstmals treffe.

Prinz von Anhalt, haben Sie herzlichen Dank für dieses interessante Gespräch!